Vorurteile

Alles rund um das Passivhaus

Vorurteil1: Passivhäuser sind langweilig.

Die Wahrheit:

Das ist schlichtweg falsch. Moderne Bausysteme werden allen architektonischen Wünschen gerecht. Und das gilt natürlich auch für Passivhäuser. Das Vorurteil hat allerdings Logik. Warum? Entscheidend für den Primärenergiebedarf eines Hauses sind nicht nur Baustoffe und Ausführung. Auch das sogenannte A/V-Verhältnis, also das Verhältnis von Fläche zu Volumen, wirkt sich darauf aus. Je kleiner dieser Wert, desto besser. In der Praxis heißt das tatsächlich: Je einfacher und schnörkelloser ein Baukörper, auch Kubus genannt, desto besser sein Primärenergiebedarf - keine Erker, keine Gauben und so weiter. Einfallslose Architekten wollen das als Nachteil energiesparender Bauweise darstellen. Fakt ist aber: Auch ein Passivhaus darf Türmchen, Erker und Gauben haben. Nur hat das nicht immer mit Einfallsreichtum und ansprechender Architektur zu tun.

 

Vorurteil 2: Im Passivhaus braucht man dicke Kleidung.

Die Wahrheit:

Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig, obwohl alleine ich es über 500-fach widerlegt habe. Trotzdem: Auch meinen Bauherren passiert das immer wieder: Stolz laden sie Freunde in ihr Passivhaus ein. Und die kommen mit dicken Pullovern. Manche fragen gar, ob es denn nicht zu kalt für einen geselligen Abend sei. Nein, ist es nicht! Jedes Passivhaus wird auf eine Mindesttemperatur von 20 Grad berechnet und gebaut. Viele Menschen mögen es etwas wärmer. Und bis zu 24 Grad sind auch in Passivhäusern kein Problem. Der Clou: Sie brauchen das nicht. Wände nach unserem Bausystem geben Wärme sofort wieder an die Umgebung ab. Das heißt: 20 Grad sind gefühlte 22 Grad. Ein Passivhaus ist so ausgerichtet und gedämmt, dass es multiple Wärmequellen nutzen kann. Dazu gehören zum Beispiel die Sonne, der Mensch und Abwärme von Geräten im Haus. Die kontrollierte Be- und Entlüftung entzieht dem Haus die verbrauchte und warme Luft, leitet sie an der Wärmerückgewinnung vorbei nach außen. Umgekehrt saugt die Anlage frische Luft an, leitet sie wiederum am Wärmetauscher (Wärmrückgewinnung) vorbei, und in Ihrem Passivhaus herrscht überall eine angenehme Temperatur. Übrigens: Ein Erwachsener bringt gut 80 Watt Heizleistung. Bei körperlicher Anstrengung, dazu gehören schon ein gutes Essen und Wein, können es bis zu 100 Watt werden. Rechnen Sie bitte selber, wann es ohne kontrollierte Be- und Entlüftung zu warm in Ihrem Passivhaus wird.

 

Vorurteil 3: Die Lüftungsanlage verursacht mehr Staub als gewöhnlich.

Die Wahrheit:

Dieses Gerücht verallgemeinert und wiegt Äpfel mit Birnen auf. Denn die Frage nach der Art des Staubes wird nicht gestellt. Darauf kommt es aber an. Warum? Jedes Passivhaus ist zwingend mit einer kontrollierten Be- und Entlüftung ausgestattet. Deren Filter halten bei regelmäßiger Reinigung gefährliche Feinstäube und Schwebteilchen auf. Dazu gehören zum Beispiel Pollen, Schimmelpilzsporen und Rußpartikel. Über die Stoßlüftung per Fenster gelangen deutlich mehr dieser Schadstoffe in ein Haus. Stellt sich die Frage nach dem allgemeinen Haushaltsstaub. Der entsteht unabhängig von der Bauart des Hauses. Und mir sind keinerlei Anhaltspunkte bekannt, warum es in einem Passivhaus ein erhöhtes Staubaufkommen geben sollte. Bleibt die Sichtbarkeit des Staubes in Form sogenannter Staubmäuse. Folgt man dem Vorurteil, entstehen sie durch den Luftzug, den die Be- und Entlüftung verursacht. Nun sucht der Mensch gern nach Gründen, um sich innovativer, fortschrittlicher und komfortabler Technik zu verschließen. Die Be- und Entlüftung ist aber definitiv nicht Schuld an den Mäusen. Der Staub wird allein durch unsere Bewegung viel stärker aufgewirbelt, als es die Anlage kann, ganz abgesehen von der sonst üblichen Stoßlüftung mit Durchzug. Fazit: Das Gerücht ist so verstaubt, wie es sich anhört.

 

Vorurteil 4: Ein luftdichtes Haus ist nicht gesund für den Menschen.

Die Wahrheit:

„Kein seriöser Experte wird so eine Aussage ernsthaft von sich geben. Denn sie ist sachlich betrachtet Quatsch. Nicht die Dichtheit eines Hauses ist für die Gesundheit des Menschen verantwortlich, sondern mehrere Faktoren wie Baustoffe, Bauausführung, regelmäßiger Luftaustausch, Luftfeuchtigkeit, Einrichtung und natürlich der Lebenswandel des Menschen. Der Begriff „dicht" beschreibt hier lediglich den energetischen Zustand des Hauses. Es verliert über die Hülle keine oder nur minimal Wärmeenergie. Das hat klare Vorteile: Ein geringer Energiebedarf senkt den CO2-Ausstoß und die laufenden Unterhaltungskosten des Hauses. Das Vorurteil könnte eine Folge vieler Schimmelschäden an Gebäuden sein, die nachträglich dicht verpackt worden sind, sprich, denen man eine Wärmedämmung spendiert hat. In solchen Fällen wären die Arbeiten selber und das Lüftungsverhalten der Bewohner zu überprüfen. Schon beim Wärmedämm-Verbundsystem schleichen sich gerne fatale Fehler ein. Ein dichtes Haus ist grundsätzlich absolut positiv, wenn ein regelmäßiger Luftaustausch stattfindet und die Luftfeuchtigkeit auf einem gesunden Level gehalten wird."

 

Vorurteil 5: In einem Passivhaus müssen die Fenster geschlossen bleiben.

Die Wahrheit:

„Solche Aussagen zeugen von schlechtem Zuhören, gefährlichem Hal-bwissen oder gar bewusster Desinformation. Die Betonung dieses Vorurteils liegt nämlich auf „müssen". Und genau das ist falsch. Selbstverständlich dürfen Sie die Fenster Ihres Passivhauses öffnen. Warum auch nicht? Viele Menschen lieben die leichte Brise und den frischen Duft, der ihnen um die Nasen weht. Sie können dafür aber auch vor die Tür treten. Denn ein Passivhaus ist so gebaut und ausgestattet, dass Sie immer frische, gesunde und gut temperierte Luft einatmen können, ohne dafür die Fenster öffnen zu müssen. Das liegt allein in Ihrem Ermessen. Aber: Bei geöffneten Fenstern kann die kontrollierte Be- und Entlüftung die Luft nicht filtern und Stäube, Pollen, Schimmelsporen und Rußpartikel fern halten. Und: Je nach Temperaturunterschied zwischen Raum- und Außenluft hat Ihre Anlage Schwerstarbeit zu leisten, läuft also nicht wirtschaftlich. Fazit: Seine Vorteile spielt ein Passivhaus idealer Weise bei geschlossenen Fenstern aus. Das ist eine Tatsache, aber kein Verbot!"

 

Vorurteil 6: Ein Passivhaus hat dicke Kastenfenster, die kein Licht durchlassen.

Die Wahrheit:

„Wenn das stimmen würde, könnte ein Passivhaus nicht funktionieren. Aber von Anfang an: Das Grundprinzip energetisch sinnvoller Bauweise ist eine möglichst dichte Gebäudehülle, die sich nach Süden und Westen mit großen Fensterflächen öffnet und nach Norden und Osten eher kleinere Fenster nutzt. Das Wort „dicht" bezieht sich dabei nicht auf kleine oder gar keine Fenster, sondern lediglich auf eine Gebäudehülle ohne Kältebrücken. Jetzt zum Prinzip Passivhaus: Es nutzt zur Erwärmung neben vielen anderen Quellen auch die Sonne. Dafür aber braucht es ausreichend Fensterfläche. Und die lässt bei entsprechender Größe naturgemäß eine Menge Licht in das Haus. Damit wäre das dunkle Argument von zu wenig Licht widerlegt. Was hat es mit den Kastenfenstern auf sich? Diesen Begriff gibt es als solchen eigentlich nicht. Die Fenster dazu allerdings schon. Es sind Kasten-Doppel-Fenster. Die hintereinander liegenden Fensterflügel können unab-hängig voneinander bedient werden. Solche Fenster gibt es natürlich auch für ein Passivhaus, wie übrigens nahezu jede Fensterform auch für Passivhäuser zugelassen werden kann, wenn sie die Passivhausnorm erfüllt. Abschließend zu den „dicken" Fenstern. Darin steckt ein Funken Wahrheit, wenn man bei einer modernen Dreischeibenverglasung von dick sprechen möchte. Fazit: Dicke Fenster: na ja - Kastenfenster: wer es so will - kein Licht: genau das Gegenteil trifft zu."

 

Vorurteil 7: Die Lüftungsanlage verursacht Lärm.

Die Wahrheit:

„Ich habe mehr als 500 Bauherren, die bereits in einem Passivhaus leben. Klagen über übermäßige Geräuschbelastung durch die Be- und Entlüftung sind mir bis heute nicht zu Ohren gekommen. Fakt ist: Die moderne kontrollierte Be- und Entlüftung arbeitet mit einem geringeren Ge-räuschpegel als Ihr Kühlschrank. Und: Die Anlage steht gewöhnlich in einem separaten Technikraum, dessen Tür in der Regel geschlossen ist. Wenn Sie sich gut konzentrieren, alle Geräte abschalten und die Fenster geschlossen haben, könnte es sein, dass Sie ein Geräusch hören. Doch das dürfte dann eher Ihr Kühlschrank sein. Was will ich damit sagen? Bewohner eines Passivhauses genießen allein aufgrund der Bauweise eine deutlich bessere Schalldämmung, als sie die meisten herkömmlich gebauten Häuser bieten können. Das alleine dürfte die Sensibilität für minimalste Geräusche erhöhen. Von einer Lärmbelästigung durch die kontrollierte Be- und Entlüftung kann aber nicht die Rede sein. Fazit: Schalten Sie mal Ihren Computer ein. Dieses Geräusch könnte man laut nennen."

 

Vorurteil 9: Ein Passivhaus kann man mit einer Kerze erwärmen.

Die Wahrheit:

„Vorurteile haben die Angewohnheit, schwer greifbar zu sein. So auch dieses. Obwohl es nur eine Frage der Definition ist, muss ich sagen: Nein, eine Kerze erwärmt Ihr Passivhaus nicht. Stellt sich die Frage, was erwärmen bedeutet, zu welcher Jahreszeit erwärmt werden soll und wie groß der betreffende Raum ist. Aber: Eine Kerze trägt durchaus zur Erwärmung des Hauses bei, denn ein Passivhaus nutzt verschiedene Quellen, darunter den Menschen, Abwärme von Geräten, Glühbirnen und natürlich auch von einer Kerzenflamme. Im Sommer ist es vornehmlich die Sonne, die das Passivhaus erwärmt. Die kontrollierte Be- und Entlüftung übernimmt dann eine kühlende Funktion. Im Winter kann die integrierte Wärmepumpe, nichts anderes ist die Anlage zur Wärmerückgewinnung, bei Bedarf zuheizen. Das passiert, wenn die übrigen Ressourcen nicht ausreichen. Fazit: Eine Kerze alleine erwärmt maximal das Herz eines kühlen Rechners. Für ein Passivhaus braucht es ein paar mehr Wärmequellen."

 

Vorurteil 10: In einem Passivhaus zieht’s wegen der Lüftung.

Die Wahrheit:

„In gewisser Weise könnte man dieses Vorurteil als Konjunkturmotor bezeichnen, und zwar für Physiotherapeuten. Denn die hätten reichlich zu tun, wenn die Aussage, in einem Passivhaus zieht's wegen der Lüftung, stimmen würde. Sie tut es nicht! Nur, wenn Sie Ihre Hand direkt an das Luftventil halten, könnten Sie einen ganz leichten Luftzug fühlen. Warum? Die Luftwechselrate der kontrollierten Be- und Entlüftung sollte auf 0,4-fachen Wechsel je Stunde eingestellt sein. Im Zusammenspiel mit den richtigen Zuluftventilen kann sich kein Luftstrom bemerkbar machen. Wer das Gegenteil behauptet ist ein Ignorant, denn er vergisst die Alternative zur kontrollierten Be- und Entlüftung: das Stoßlüften. Mehrfach am Tag und kurz vor der Nachtruhe müssen alle Fenster vollständig geöffnet werden, damit die Luft komplett ausgetauscht werden kann. Fazit: Stellen Sie bei diesem Vorurteil auf Durchzug. Mehr ist es nicht wert."

Fortsetzung folgt. Bleiben Sie uns treu.

Vorurteil 11: Ein Passivhaus kühlt schnell aus.

Das mag gut sein, wenn die Fenster bei kalten Temparaturen weit offen stehen oder das Haus ordentliche Leckagen aufweist. Ja, dann stimmt dieses Vorurteil. Nun kann man auch Passivhausfenster zum Glück schließen, und eigentlich sollte jeder Mensch inzwischen wissen, dass ein Passivhaus mit einer exzellent gedämmten und wirklich nahezu dichten Gebäudehülle gesegnet ist. Vor diesem Hintergrund klingt das Vorurteil dann doch eher nach einer Aussage jener klugen Leute, die Wände gerne atmen lassen möchten. Es ist ausgemachter Unsinn. Natürlich kühlt auch ein Passivhaus irgendwann mal aus. Doch das funktioniert nicht von einem Tag auf den nächsten, und: Es passiert im "Ein-Grad-Schritt". Das zeigen praktische Erfahrungen unserer Bauherrn: Ein Passivhaus im Rohbau hat zum Beispiel ein Grad pro Woche an Wärme verloren. Man kann das freilich nicht auf alle Passivhäuser beziehen, wohl aber auf die meisten Häuser nach unserer Philosophie und mit unserem System sowie mit sehr viel Detailverliebtheit gebauten.

Das Vorurteil basiert auf einem aktuellen Fall: In Bayern soll eine neue Schule in freier Trägerschaft gebaut werden. Aufgeweckte Eltern sind auf unser System gestoßen und waren von der Idee begeistert. Leider reichte das Fachwissen nicht, wie sollte es auch, um jene Berufsbedenkenträger und honorigen Experten, die von einem Passivhaus ganz offensichtlich kaum eine echte Ahnung haben, zu überzeugen. Diese Leute sind dummerweise die Entscheidungsträger für das Projekt. Nun hat man große Sorgen, dass es in einer Passivhaus-Schule am Morgen sehr kalt sei, weil sich das Gebäude erste durch die Anwesenheit der Kinder aufheize. Damit stünde die Wärme aber erst am Nachmittag zur Verfügung und damit zu spät. Nun: Wir haben schon viele Argumente gegen ein Passivhaus gehört. In manchen Fällen mag es Passivhäuser geben, die derart verzögert reagieren und dann auch noch ruck zuck auskühlen. Wir würden dann aber nicht mehr von einem Passivhaus sprechen. Das Argument ist haarsträubend. 1. Ein Passivhaus nutzt multiple Quellen, um Wärme zu gewinnen. Menschen sind nur eine. 2. Ein Passivhaus ist so gut gedämmt, dass es gewonnene Wärme nicht freiwillig wieder hergibt. 3. Schon drei Menschen in einem Raum sorgen binnen einer Stunde für steigende Temperaturen - sofort fühlbar. 4. Unsere Passivhäuse verfügen über die tolle Technik einer kontrollierten Be- und Entlüftung mit integrierter Wärmerückgewinnung. Die Frischluft wird über einen Erdwärmetauscher geführt, und so weiter, und so weiter. Fazit: Gerade für eine Schule wäre die Passivhausbauweise ein Gewinn in vielfacher hinsicht.

zurück

Sie haben Fragen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Kontakt aufnehmen
Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform